Leseprobe 1: Energie ohne Ende

Energie ohne Ende

Albert Einstein hatte es allen vorgerechnet: Die Energie, die in einem Objekt steckt, ist gleich seiner Masse multipliziert mit dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit. Jedem war die ungeheure Geschwindigkeit des Lichtes klar, und so verstand man, dass in jeder Masse ungeheure Energien schlummerten. Diese brauchten also nur noch freigesetzt und nutzbar gemacht werden.

Der Weg hierzu war ja bereits bekannt. Die Energie, die in der Masse von Uran steckte, konnte in Kernreaktoren freigesetzt werden, Turbinen antreiben und als elektrische Energie genutzt und in andere Energieformen umgewandelt werden.

Der Zugang zu Uran war allerdings begrenzt, sodass noch nicht von Energie ohne Ende die Rede sein konnte. Die Wasserstoffbombe hatte jedoch gezeigt, dass der Mensch auch in der Lage war, die Energie des Wasserstoffes freizusetzen. Wasserstoff selbst stand in nahezu unbegrenzter Menge zur Verfügung.

Man ging deshalb davon aus, dass es bei dem Tempo, das der technologische Fortschritt damals an den Tag legte, in ein bis zwei Jahrzehnten möglich sein müsste, Fusionsreaktoren zu konstruieren, in denen die gleichen Prozesse wie auf der Sonne abliefen, wobei Wasserstoff als Brennmaterial verwendet wurde.

Bis man soweit war, sollte das Problem mit so genannten Brutreaktoren, auch Schnelle Brüter genannt, gelöst werden, die mehr spaltbares Material in Form von Plutonium beim Energiegewinnungsprozess erzeugen sollten, als man als Brennstoff verbrauchte.

Atomenergie war also das Zauberwort aller Zukunftsvisionäre zur Mitte des letzten Jahrhunderts. Atomstrom würde die Wüsten kultivieren und in fruchtbare Gärten verwandeln und Wärme nach Sibirien bringen. Filme wie Odyssee 2001 oder auch der Krieg der Sterne, zeigen deshalb moderne Städte die keinerlei Versorgungsleitungen oder Kraftwerke aufzeigen.   Energie stand in der Zukunft nicht nur in beliebiger Menge sondern auch einfach überall da zur Verfügung, wo sie gebraucht wurde.   Zu diesem Zweck musste sie auch in kleinen und selbst mobilen Reaktoren erzeugt werden können.

Die Perspektiven, die sich durch diese Art der friedlichen Nutzung der Kernenergie auftaten, lösten eine allgemeine Begeisterung unter Wissenschaftlern und Technikern aus und sprengten alle bisherigen Grenzen der Fantasie.

Atomenergie würde die Fahrzeuge und Maschinen der Zukunft antreiben. Nachdem es bereits Schiffe mit Atomreaktoren gab, solle einer weitere Miniaturisierung der Reaktoren Einzug in Lokomotiven, Flugzeuge, Raketen und sogar in die privaten Autos halten. Kleine Reaktoren würden die bisherigen Antriebe wie Verbrennungsmotoren ersetzen. Tatsächlich experimentierte man in den USA mit atomgetriebenen Lokomotiven und in der Sowjetunion brachte man sogar den Prototyp eines atomgetriebenen Flugzeugs, die Antonov AN-22PLO in die Luft.

Autofirmen wir Ford in den USA oder Simca in Frankreich präsentierten den Ford Nucleon oder den Simca Fulgur. Simca präsentierte ein besonders futuristisch anmutendes Modell. Diese Auto hatte einen kleinen Reaktor mit vier Brennstäben zu Energieerzeugung. Die Passagiere saßen unter einer Glaskuppel. Auch Räder brauchte dieses Auto nicht mehr. Es schwebte auf einem Luftkissen und wurde mittels Heckflossen und Steuerdüsen gelenkt. Nach Angaben des Herstellers sollte es 5000 km ohne „nachzutanken“ fahren können.

Was man sich sonst an Verkehrsmitteln vorstellte, war häufig von Gigantomanie geprägt, da man sich ja keine Gedanken mehr machen musste, wie solch große Massen bewegt werden sollten.   Man entwarf riesige Flugzeuge die vom Rumpf eher einem Passagierschiff ähnelten und wie eine Kreuzung aus Titanic und dem Flugboot Do X aussahen.   Hunderte von Tonnen schwere Raumschiffe ähnlicher Konstruktion sollten dem normalen Menschen Zutritt zum Weltraum verschaffen.

Der Luftverkehr sollte aber auch tief in den privaten individuellen Bereich eindringen.   So sah man, dass der Hubschrauber die gleiche Entwicklung wie das Auto nehmen würde und ein zukünftiger Henry Ford ihn dem Normalverbraucher zum Preis eines besseren Autos zur Verfügung stellen würde. Zeichnungen von der Zukunft im Jahr 2000 zeigen immer wieder, dass der Mensch für den Individualverkehr die dritte Dimension erobert hatte und sich mit unterschiedlichen Kleinstfahrzeugen durch die Luft bewegte.   Logische Konsequenz dieser Entwicklung war auch die Fusion aus Auto und Luftfahrzeug, bei der man sich beispielsweise düsengetriebene Autos vorstellte, die kurze Flügel oder einen Rotor ausfahren konnten.

Auf der Erde fuhren superschnelle Einschienenbahnen, die entweder wie die Wuppertaler Schwebebahn unter einer Schiene hingen oder auch wie konventionelle Züge auf einer     einzigen Schiene fuhren.

Im militärischen Bereich hatte die Waffentechnologie sich die neue Energie zu Nutze gemacht. Alfred Nobels Vision einer Waffe, die so furchtbar war, dass sie zukünftige Kriege allein durch ihre Existenz unmöglich machen würde, war nicht Bestandteil einer Vision für das Jahr 2000 geworden. Die Atombomben würden diese Funktion nicht übernehmen können. Man würde sich immer noch mit Waffen geringerer Wirkung bekämpfen.

Diese waren zunächst nur die moderne Variante bekannte konventioneller Waffen wie Panzer oder Flugzeuge. Was sie jedoch hauptsächlich von den bekannten Systemen unterschied, war die Art ihrer Geschosse.   Ob Kanone, Gewehr oder Pistole, alle verschossen nun Energiestrahlen statt massiver Projektile. Solche Strahlen waren dosierbar. Sie konnten einen Gegner betäuben, töten oder völlig zu Asche verbrennen. Im Extremfall sollten sie in der Lage sein einen ganzen Planeten, zu pulverisieren, wie in Filmen wie der Krieg der Sterne anhand des Todessterns oder in Fernsehfilmen wie Raumpatrouille anhand der Overkillkapazität des Raumschiffs Orions vorgeführt wurde.

Aber auch die Gegenmaßnahmen basierten auf reiner Energie. Statt einer dicken Panzerung schützte man sich gegen die Energiestrahlen mit einem Schutzschirm, der durch ein starkes Energiefeld, die attackierenden Energiepakete und Strahlen an sich abprallen ließ.

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