Vorwort des Autors

 

Mehrere Jahrzehnte habe ich den Beruf eines Systemanalytikers und Systemarchitekten ausgeübt. Ich habe in großen und mittleren Organisationen, in verschiedenen Ländern und Kulturen zu unterschiedlichen Projekten beigetragen und dabei im Laufe der Zeit nahezu alle Rollen innegehabt, die für eine solche Organisation erforderlich sind. So war ich Programmierer, Manager, Designer von Teilkomponenten, Projektleiter und selbst Auftraggeber für Projekte. Einerseits stand ich als Vertriebsberater auf der Seite von Herstellern, andererseits war ich Kunde und Einkäufer von Produkten, die in meiner Organisation oder im Projekt benötigt wurden.

Im Grunde habe ich eine Ausbildung als Diplom Mathematiker und Informatiker. Aber was sind die Aufgaben eines Systemanalytikers? Was ist zunächst eigentlich ein System? Ein System ist eine Anzahl von Komponenten die zusammenwirken um zu einem gemeinsamen Ziel beizutragen. Menschen Maschinen und Kapital produzieren ein gemeinsames Resultat. Ein Systemanalytiker analysiert, wie ein vorhandenes System funktioniert und arbeitet, ein Systemarchitekt entwirft neue Systeme oder optimiert vorhandene Systeme.

Eine entscheidende Rolle, damit die Entwicklung eines System reibungslos funktioniert, kommt den Managern auf unterschiedlichen Ebenen zu. Manager sorgen dafür, dass benötigte Ressourcen in ausreichendem Maß vorhanden sind oder bereitgestellt werden, oder sie treffen Entscheidungen, was getan wird, um ein System an eine veränderte Umwelt anzupassen.

Größere Veränderungen in einem System werden normalerweise in Projektform durchgeführt. Es gibt verschiedene gute Modelle, wie man ein Projekt organisiert und durchführt. Personen mit unterschiedlicher Ausbildung und Qualifikation besetzen die verschieden Rollen und Positionen.

Wenn man sich strikt an die Regeln von solch vielfach bewährten Projektorganisationsformen hält, einen gesunden Menschenverstand und etwas mathematische Logik benutzt, sollte es im Allgemeinen gelingen, ein Projekt erfolgreich abzuschließen, ohne dass eine extreme Kostenüberschreitung erforderlich ist oder der Lieferzeitpunkt um Jahre verschoben werden muss.

Was in Projekten aber gar nicht selten passiert, ist manchmal haarsträubend und resultiert in unzureichenden oder unbrauchbaren Ergebnissen. Sogar der Abbruch eines Projektes bei Verlust eines Großteils der Investitionen ist nicht ganz ungewöhnlich.

Die Ursachen hierfür sind, wie ich es immer wieder erleben musste, Unkenntnis, mangelnder Informationsfluss, zurückgehaltene Information, Beschlussunfähigkeit, das Prestigedenken oder persönliche Beweggründe eines einzelnen Entscheiders. Nicht selten sind es aber auch Personen und Organisationen von außerhalb des Projektes, die Einfluss nehmen, aber völlig andere Ziele verfolgen. Man erlebt dabei, dass dann Beschlüsse für ein Projekt verzögert, verspätet gefasst oder gar nicht gefasst werden. Das hat Konsequenzen, hinter denen man manchmal bewusste Sabotage vermuten könnte, auch wenn die Ursachen eigentlich ganz andere sind.

In meiner 35 jährigen Berufslaufbahn habe ich kontraproduktive und unsinnige Entscheidungen hautnah erlebt. Oft dachte ich so bei mir: Na das hier gehört in das Handbuch „Wie man es nicht macht“ oder sogar in ein “Sabotagehandbuch“ und da auf die vordersten Seiten.

Nachdem ich meine Berufslaufbahn abgeschlossen habe und mir ein solches Buch bisher nicht in die Hände geraten ist, habe ich mich entschlossen es selbst zu schreiben.

Dieses Buch vermittelt dem Leser auf unterhaltsame Weise, einerseits wie eine erfolgreiche Organisation aufgebaut wird und ein Projekt professionell in Angriff genommen wird. Auf der anderen Seite erfährt der Leser, wie Politik, Managementfehler, zurückgehaltene Information, Unkenntnis und Eigeninteressen den Erfolg eines Projektes in hohem Maße gefährden können.

Allerdings sind vermutlich nicht nur mir selbst, sondern auch vielen Lesern Sachbücher viel zu trocken.

Ich möchte deshalb den Leser nicht mit theoretischen Erklärungen und schematischen Darstellungen, wie in einem Sachbuch oder Lehrbuch, langweilen. Dafür ist der Stoff eigentlich viel zu spannend, und menschliche Fehler können darin bestenfalls aufgelistet und erklärt werden. Aber wie es zu Fehlentscheidungen kommt, die Situation in der sie gemacht werden, welchen Effekt sie unmittelbar auf ein Projekt und die Mitarbeiter haben und die damit verbundene Tragik und Komik lässt sich so kaum vermitteln.

Ich habe mich deshalb entschlossen, Fakten und Erlebnisse in Form eines Wirtschaftsromans zu beschreiben. Das ist sicher genauso informativ wie ein Sachbuch, aber gleichzeitig spannend und unterhaltsam. Ich habe diese Form der Vermittlung von sachlichen Inhalten bereits früher erfolgreich in meinem Buch „Evolution aus Sicht eines Vulkaniers“ angewandt, das sich auch acht Jahre nach seinem ersten Erscheinen immer noch einer gewissen Beliebtheit erfreut. Die Idee für diese Buchform stammt natürlich nicht von mir. Schon vor langer Zeit wurde sie von Galileo Galilei in seinem Buch Dialogo benutzt, um sein neues kosmisches Weltbild zu vermitteln.

Alle Personen und Firmen in diesem Buch sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit tatsächlichen Personen und Firmen habe ich versucht zu vermeiden (indem ich die Namen gegoogelt habe) und wäre rein zufällig.

Die beschriebenen Ereignisse, die ihre Spuren in Projekten hinterlassen haben und Hauptgegenstand dieses Buches sind, haben dagegen in irgendeiner Form tatsächlich stattgefunden und sind mir in unterschiedlichen Organisationen und Projekten begegnet. Ich habe sie nur in konzentrierter Form in eine fiktive Handlung gepackt.

Das Kräftespiel zwischen Professionalität, Politik, mangelnder Koordination, Unkenntnis und Eigeninteressen zeigt, wie der Erfolg eines Projektes gefährdet ist, wenn diese Faktoren Einfluss ausüben dürfen.

Das Ergebnis könnte dann manchmal eine bewusste Sabotage vermuten lassen. Aber selbst der schlechteste Manager ist überzeugt, alles richtig zu machen.