Leseprobe 1

Welchen Effekt auf das KLima haben Einwegverpackungen?

Stehen wir in Deutschland denn nicht schon gut da, wenn es um weniger Müll von Einwegverpackungen geht? Die Frage kann mit einem eindeutigen Nein beantwortet werden. Gerade sind wir im Dezember 2020 auf den 19ten Platz der umweltfreundlichsten Länder zurückgefallen. Wir waren schon mal viel besser. Jetzt liegt Deutschland sogar unter EU Durchschnitt. Wir haben unsere Konsumgewohnheiten immer weiter verändert, sodass wir immer mehr Verpackungsmüll produzieren. Wir holen immer mehr Speisen und Getränke von Imbissbuden, Kiosken, Gaststätten und Straßenverkäufen. Wir bestellen Pizza, Döner, Currywurst oder Chinagerichte nachhause, kaufen auf dem Heimweg eine Kaffee Latte to go, eine Dose Cola oder eine Plastikflasche Wasser am Kiosk. Vieles ist gleich mehrfach verpackt, damit es schön warm bleibt und nicht auslaufen kann. Ruck-zuck ist zu Hause der Mülleimer voll mit Pizzakartons, Frittenschalen, Alufolie, Pergamentpapier, leeren Dosen und Einweg Plastikflaschen.

 

Na gut, für 25 Cents Pfand kann man ja vielleicht wenigstens die leeren Dosen sammeln. Was hier bereits den Mülleimer in der Küche füllt, wächst zu gewaltigen Müllbergen an, wenn Millionen Deutsche das Gleiche tun. Hierzu ein paar erschreckende Beispiele. Es werden 320000 Einwegbecher weggeworfen – nicht etwa in der Woche oder am Tag, sondern in der Stunde. Das summiert sich im Jahr zu sechs Millionen Tonnen Plastik und Papierabfall. Man bräuchte dafür mehr als 150000 Lastzüge um den Müll abzutransportieren. Vor 30 Jahren, also Anfang 1990, waren wir noch sehr gut bei der Wiederverwendung von Getränkeflaschen. 93% waren damals noch Mehrwegflaschen. Aber das hat sich geändert. Den großen Discountern wie Aldi und Lidl, war es zu aufwändig, das Leergut zu hantieren. Man begann damit, nur noch Einwegflaschen im Angebot zu haben und die vorzugsweise aus Kunststoff. Auch wenn man gezwungen war irgendwann Pfand zu nehmen, so hatte das Ganze immer noch den Vorteil, dass die Rücknahmeautomaten das Leergut äußerst kompakt zusammendrücken konnten. Das Pfand ist auch so gering, das man sich überlegt, ob man die leere Flasche für 25 Cents stundenlang mit sich herumschleppen soll. Viele werden deshalb einfach weggeworfen und landen bestenfalls in einem öffentlichen Papierkorb. Aber ein Teil landet auch in der Umwelt und zerfällt nach und nach zu gefährlichem Mikroplastik. Nur 35% werden heute in Deutschland recycelt, wenn wir das thermische Recycling (verbrennen) nicht mitrechnen. Im vielen Ländern gibt es kein Pfand. So werden dort sicher noch mehr Flaschen weggeworfen.

 

Aber kommen wir zu den erschreckenden Zahlen. Täglich werden in Deutschland 45 Millionen Einwegflaschen verbraucht. Das sind 16,4 Milliarden Stück im Jahr. Hierzu werden 480 000 Tonnen Rohöl verbraucht und 9,5 Milliarden Kilowattstunden, um daraus 470 000 Tonnen Kunststoff für Petflaschen zu verwenden, die nur ein einziges Mal gebraucht werden. Legt man den deutschen Strommix zu Grunde so haben wir knapp 5 Millionen Tonnen CO2 für den Strom emittiert und zusätzlich eine Million Tonnen für den Kunststoff, wenn wir die 35% recycelten Einwegflaschen nicht mitrechnen. Nach einer Studie der Heinrich Böll Stiftung, erzeugten Deutschlands Haushalte und Gewerbe 2015 5,2 Millionen Tonnen Plastikmüll. 67,3% davon landeten in der Müllverbrennung. Nur aus 15,6% wurden in Deutschland neue Produkte hergestellt. Der Rest ging ins Ausland. Wenn Sie woanders bessere Zahlen zum Recycling von Kunststoff lesen, so können Sie Werte von über 40% finden. Das sind aber die Zahlen für Kunststoffabfall, der den Recyclingfirmen übergeben wurde. Wenn die einen großen Teil davon thermisch recyceln oder exportieren, so taucht das nicht i der Statistik auf, weswegen Sie bessere Werte erhalten. Dabei sollte man auch bedenken, dass im Schnitt durch die Verbrennung nur 20% der bei der Herstellung eingesetzten Energie zurückgewonnen werden, währen es beim Recycling gut 60% sind. Offensichtlich finden hier die meisten von uns vielfältige Möglichkeiten hier etwas zur Klimaverbesserung zu tun.

 

Aber auch wenn dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, so können wir vielleicht dazu beitragen, dass einige negative Modeerscheinungen ihre Popularität verlieren. Auch auf der Gesetzgeberseite wird etwas getan. Ab dem dritten Juli 2021 treten eine Reihe Gesetze in Kraft, die in der gesamten EU gelten. Viele Einwegprodukte aus Kunststoff werden verboten, die aus fossilen Rohstoffen wie Rohöl hergestellt werden. Dazu gehören Wattestäbchen, Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe aus Kunststoff sowie To-go-Getränkebecher, Fast-Food-Verpackungen und Wegwerf-Essensbehälter aus Styropor. Besonders wichtig ist auch, dass man dem Mülltourismus von Plastikmüll einen Riegel vorschiebt. Die EU verbietet den Export außerhalb ihres Gebietes. Wer die Bilder von Bergen deutscher Joghurtbecher, Plastikflaschen, folienverpackten Gemüseschalen und ähnlichem aus dem gelben Sack im Fernsehen in den Wäldern Malaysias sehen konnte weiß, wie wichtig dieses Gesetz ist.

 

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