Leseprobe 3

Gibt es einen Einfluss des ERdmagnetfelds?

Der äußere Mantel des Erdkerns erzeugt ein Magnetfeld, das an der Erdoberfläche die Struktur eines magnetischen Dipols hat. Es gibt einen magnetischen Nordpol und einen magnetischen Südpol. Diese stimmen jedoch nicht mit den geographischen Polen der Erde überein. Das Erdmagnetfeld ist nicht immer konstant, sondern verändert sich. Einerseits variiert es in der Stärke, aber auch in seiner Lage und Ausrichtung. So wandert der magnetische Nordpol zur Zeit etwa 50 Kilometer im Jahr in Richtung Sibirien. Anhand von Messungen hat man jedoch festgestellt, dass es im Laufe der Zeit auch zu größeren Polsprüngen und Umkehrungen der Pole gekommen ist.

 

Das Erdmagnetfeld schützt uns vor gefährlicher Strahlung, die aus dem Weltraum zu uns kommt oder von der Sonne abgestrahlt wird. Wir hatten diese Partikelstrahlung schon bei der der Diskussion von Sonnenflecken und Flares beschrieben. Ein großer Teil davon wird von unserem Erdmagnetfeld abgelenkt. Hier werden die Teilchen vom Van-Allen-Strahlungsgürtel eingefangen oder zu den Polen abgelenkt, wo sie als Nordlicht zu erkennen sind. Schon seit langem vermutet man, dass das sich verändernde Erdmagnetfeld einen Einfluss auf unser Klima hat. Man vermutet verschiedene Zusammenhänge. So hat man in Experimenten herausgefunden, dass die auf die Erde gelangenden Teilchen zur Wolkenbildung beitragen, was wiederum die die Wärmeeinstrahlung beeinflusst. Es gibt allerdings keine konkreten Aussagen, wie sich dieser Effekt qualitativ auf die Temperatur der Erde auswirken könnte.

 

Einen anderen Effekt haben Physiker entdeckt. So zeigt es sich, dass sich die Löslichkeit im Meerwasser des Treibhausgases Kohlendioxyd in Abhängigkeit des variablen Magnetfelds verändert. Man hat Experimente und Messungen durchgeführt, deren Ergebnisse eine Hochrechnung zulassen. So kamen die Physiker zu folgendem Ergebnis: Eine Abnahme das Magnetfelds von einem Prozent pro Jahrzehnt hätte zu Folge, dass im Jahr etwa 350 000 000 Tonnen Kohlenstoff mehr freigesetzt würden. Dies entspricht dem Durchschnittswert der Abnahme in den letzten 100 Jahren.

 

Für sich allein genommen sagt diese Zahl noch relativ wenig aus. Vielleicht könnte ihre Größe bereits jemanden erschrecken. Aber was ist sie wirklich wert. Dazu müssen wir sie mit anderen Effekten vergleichen. Wenn wir den durchschnittlichen Kohlenstoffausstoß pro  Jahr aller Vulkane betrachten, so liegt dieser bei etwa 30 000 000 Tonnen im Jahr, also weniger als einem Zehntel. Aber wie wir gerade im vorigen Abschnitt sehen konnten, haben Vulkane außer in Ausnahmefällen, keinen besonders großen Einfluss auf unser Klima gehabt.

 

Aber da gibt es ja noch die menschliche Aktivität, die wir zum Vergleich heranziehen sollten. Also wie viel Kohlenstoff setzt der Mensch in einem Jahr frei? Es sind sieben Milliarden Tonnen! Das ist 20 Mal soviel. Damit können wir die Wasserlöslichkeit von CO2 in Abhängigkeit des Erdmagnetfelds erst einmal als entscheidende Ursache vergessen. Als Statistiker könne man jedoch bei dem Vergleich mit den Temperaturkurven der letzten 5000 Jahre einen stärkeren Zusammenhang vermuten. So habe Archäologen den Magnetismus von Fundstücken aus der Zeit von 4000 vor Chr. bis heute untersucht und daraus die jeweilige Stärke das Erdmagnetismus ermittelt. Dabei wurde festgestellt, dass der Magnetismus der Erde in diese Zeit mehrfach relativ kurzfristig stark zugenommen hatte. Ein Vergleich mit den Temperaturen dieser Zeiten ergab mehrfach eine Übereinstimmung einer Abnahme der Temperatur gleichzeitig mit dem Anstieg des Erdmagnetismus. Auch eine Periode niedrigerer Temperatur, die etwa um das Jahr 700 nach Chr. begann, fiel mit einem stärkeren Erdmagnetismus zusammen. Die Archäologen fanden für dies Zusammenhänge keine Erklärung. Manche Fachleute haben dafür den oben beschriebenen Effekt, dass sich bei Stärkung des Magnetfeld die Löslichkeit von Kohlendioxyd im Meerwasser erhöht, hierfür in Verdacht. Nach unseren gezeigten Berechnungen scheint dies jedoch zweifelhaft, da der hierdurch erreichte Effekt wahrscheinlich nicht in einer Größenordnung landet, die eine erkennbare Abkühlung zur Folge hätte.

 

 

Seit 150 Jahren gibt es Aufzeichnungen über den Erdmagnetismus. Diese zeigen, dass der Erdmagnetismus unter dieser Zeit ständig zurückgeht. Dies stimmt mit der Theorie gut überein, aber dass hierfür die moderne Industriegesellschaft verantwortlich ist, ist definitiv keine gute Erklärung. Bevor nicht weitere Erklärungen und quantitative Werte für Effekte der Wolkenbildung durch Abschirmung kosmischer Strahlung für die in diesem Abschnitt aufgeführten Phänomene gefunden werden, muss beim jetzigen Kenntnisstand dem Erdmagnetismus nur ein geringer Beitrag zum Klimawandel zugeschrieben werden.

 

Lesen Sie weiter im Buch!